14.05.2012

Fischsterben im Eichbaumsee: Stellungnahme

Zu der Medienberichterstattung bezüglich des Fischsterbens im Eichbaumsee (Hamburg) vom April 2012 gibt das Institut Dr. Nowak folgende Stellungnahme ab


In den letzten Tagen ist vornehmlich in der Hamburger Presse bezüglich des im April festgestellten Fischsterbens im Eichbaumsee Einiges zu lesen gewesen. In diversen Zeitungsartikeln, Online-Foren oder gar in den Lokalnachrichten im Fernsehen sind Vertreter betroffener Interessengruppen zu Wort gekommen, um sich zu dem Fischsterben zu äußern.

 

Wie in der überwiegenden Anzahl an Kommentaren und Beiträgen festzustellen war, sind bedauerlicherweise viele Zusammenhänge hinsichtlich der möglichen Ursache wissenschaftlich falsch dargestellt worden. So ist das Fischsterben von einigen betroffenen Interessengruppen      -möglicherweise wider besseren Wissens- mit dem Einsatz des Phosphatbinders Bentophos® in direkten Zusammenhang gebracht worden.

 

Vereinzelt wurde dort von der „Chemikalie Bentophos“ oder gar vom „Algenkiller Bentophos“ gesprochen, der in den Eichbaumsee „gekippt“ worden sei und somit „vermutlich für das Fischsterben ursächlich“ sei.“

 

Auch wenn der überwiegende Teil der Medien und Behörden inzwischen erfreulicherweise um eine sachliche Richtigstellung dieser offensichtlichen Falschinformationen bemüht sind und sich nach kurzer aber gründlicher Betrachtung der Sachlage davon überzeugt haben, dass das Fischsterben in keiner Weise mit dem Einsatz von Bentophos® in Zusammenhang zu bringen ist, müssen wir auf die immer noch andauernde fehlerhafte Berichterstattung in einigen Medien folgendes klarstellen:

  1. Bei Bentophos® handelt es sich um ein Lanthan-modifiziertes Tonmineral, welches zu ca. 95% aus Bentonit, einem natürlichen, fast inerten Tonmineral besteht (siehe: Produktdatenblatt).
  2. Bei Bentophos® handelt es sich amtlich bestätigt nicht um ein Biozid (siehe: U.K. Biocode Exemption).
    Es tötet Algen nicht wie ein Algizid durch Giftwirkung ab, sondern entzieht den Algen lediglich einen Teil ihres Nahrungsangebots durch Bindung von Phosphat.
  3. Bentophos® ist ein oberflächenmodifiziertes natürliches Tonmineral und als solches in der entsprechenden Kategorie unter REACH registriert. Für den Umgang mit Bentophos® sind keine für Chemikalien typische Gefährlichkeitskriterien gemäß EU CLP-Verordnung/GHS anwendbar (siehe: Sicherheitsdatenblatt Bentophos®). Bentophos® ist trotz REACH-Registrierung und existierender CAS-Nummer (7705-08-0) keine Chemikalie im herkömmlichen Sinne und ist gemäß WHG keiner Wassergefährdungsklasse zugeordnet und damit als „nicht wassergefährdend“ eingestuft.
  4. Bei Bentophos® handelt es sich um den Phosphatbinder, der im Vergleich mit anderen Phosphatbindern den Wasserkörper in seiner physikalischen und chemischen Beschaffenheit hinsichtlich des Ionengleichgewichts und des pH-Wertes extrem gering beeinflusst. Genau deshalb wird Bentophos® in der Fachwelt als effektiv und zugleich ökologisch besonders verträglich geschätzt.
  5. Von Bentophos® sind derzeit überhaupt keine akuten ökotoxikologischen Wirkungen gegenüber aquatischen Organismen bekannt. Chronische ökotoxikologische Wirkungen gegenüber Wasserorganismen sind derzeit auch nicht bekannt und sind aufgrund der bekannten Materialeigenschaften in Verbindung mit der geringen Exposition auch nicht zu erwarten. Insgesamt wird in der Fachwelt das ökotoxikologische Potential von Bentophos® als außerordentlich gering eingestuft.
  6. Bentophos®  ist inzwischen alleine Europa-weit in mehr als 40 Gewässern bis zu einer Größe von 63 ha angewendet worden (z.B. in Deutschland, U.K., den Niederlanden, Polen, Italien, etc.), ohne dass dabei jemals ein akutes oder verspätetes Fischsterben zu beobachten war, dass auf den Einsatz von Bentophos® zurückzuführen war.
    Der überwiegende Teil dieser Anwendungen ist wissenschaftlich begleitet worden und erfüllt damit höchste Kriterien hinsichtlich bedarfsgerechter Dosierung, fachlicher Anwendung und ökologischer Unbedenklichkeit.
  7. In nahezu allen Fällen ist der Einsatz von Bentophos® in einem See, der gleichzeitig als Angel- oder Badegewässer dient, mit den zuständigen Gremien der ortsansässigen Verbänden abgestimmt worden. Mögliche Bedenken gegenüber dem Einsatz von Bentophos® sind jeweils im Vorfeld einer Anwendung durch intensiven Informationsaustausch vorbehaltlos geklärt worden.
  8. Bentophos® ist nach gründlicher Prüfung durch Fachaufsichtsbehörden in Europa in ökologisch besonders wertvollen und sensiblen FFH- ound Natura2000-Schutzgebieten angewendet worden (z.B. Loch Flemington, Schottland; Blankensee bei Lübeck).
  9. Bentophos® ist in einigen Ländern sogar für den Einsatz in Trinkwasser-Reservoirs zugelassen (Zulassung in den U.S.A. und in Kanada, Zulassung für den Einsatz im Clatto Reservoir, Schottland).
  10. Der Einsatz von Bentophos® in Badeseen wird von Gesundheitsbehörden als unproblematisch und weitestgehend risikolos eingestuft (siehe: Stellungnahme des Bundesgesundheitsamtes auf eine Anfrage des Gesundheitsamts des Landkreises Diepholz zum Einsatz von Bentophos® im Silbersee bei Stuhr 2006)

 

Wir würden uns freuen, wenn diese Tatsachen in der aktuellen Diskussion um mögliche Ursachen für das Fischsterben im Eichbaumsee berücksichtigt werden würden.

 

Auch wenn einige Interessengruppen das Fischsterben offensichtlich dazu nutzen, ihren Unmut über ursächlich irrelevante Umstände u.a. auch über den Einsatz von Bentophos® sowie das Material Bentophos® an sich, zum Ausdruck zu bringen, so hoffen wir auf eine rasche Versachlichung der Diskussion sowie eine an Tatsachen orientierte Medienberichterstattung. Einer pragmatischen und weniger emotionsgeladenen Ursachenforschung für das Fischsterben im Eichbaumsee wäre damit sicher geholfen.

 

Für weitergehende Informationen stehen die drei Unterzeichner gerne zur Verfügung.

 

Dr. Karl-Ernst Nowak, Limnologe (Leitung Institut Dr. Nowak)

Dr. Said Yasseri, Dipl.-Biologe (Projektleiter Seensanierung Institut Dr. Nowak)

Nicolai Nowak (Geschäftsführer Bentophos GmbH)

 

Stellungnahme als pdf zum Download


 

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